Eichendorff-Gymnasium Bamberg

Bild der Schule

Weimar-Fahrt der Q11

Egal wie dicht dein Zeitplan ist – Goethes war dichter!

Weimar - ein historisches und kulturelles Epizentrum. Eine Stadt, die vor allem durch die Beherbergung zweier genialer Schriftsteller bekannt wurde: Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe. Aber auch für einen grandiosen Schmandapfelkuchen.
Deshalb haben die Schülerinnen der 11. Jahrgangsstufe jedes Jahr die Möglichkeit, sich die Brutstätte bekannter Werke anzusehen. So trafen wir uns am Freitag, den 29. April 2016 um 06:45 Uhr am frühen Morgen mit den betreuenden Deutschlehrern Frau Michels-Fink, Frau Langfeld, Frau Kaiser und - Herrn Dr. Liedtke vertretend- Frau Fauth vor der Schule, dem Städtischen Eichendorff-Gymnasium Bamberg. Vor uns lag eine 2 1/2 stündige Busfahrt und ein äußerst straffer Zeitplan. Aber Kopf hoch! Denn egal wie dicht dein Zeitplan ist, Goethes war dichter! In den zuvor eingeteilten Gruppen konnte es also, kaum in Weimar angekommen, gleich losgehen. Für den Großteil von uns Mädchen stand zuerst die Führung "Phönix aus der Asche" an, welche durch den eindrucksvoll gestalteten Park an der Ilm zu Goethes Gartenhaus führte, das nach der Besichtigung eine hervorragende Kulisse für ein Picknick bei sommerlichem Wetter bot. Doch da sich Herr Goethe nicht nur gerne die Sonne auf die Nase scheinen ließ und seine Freizeit im Freien verbrachte, war die Rast nur von kurzer Dauer. So machten wir uns auf den Weg ins Goethe-Nationalmuseum. Dort tauchten wir nicht nur in fahles Licht fern von jeder Sonneneinstrahlung, sondern auch in das Leben eines besonderen Literaten ein, der mit seinen Werken noch heute unsere Kultur, Sprache und Literatur prägt. Innerhalb einer Stunde durchliefen wir die Höhen und Tiefen Goethes Lebens und bekamen einen Einblick davon, was Goethes Welt im Innersten zusammenhält. Eben diese Frage nach dem Kleinsten, aus dem alles gemacht ist. Im Anschluss durften wir schließlich auch sein Wohnhaus besichtigen. Mit Audioguides "bewaffnet" ließen sich die meisten von Goethes Sohn und dessen Pferd mittels der Audioguide-Kinderführung das Haus zeigen. Auch dort fand man die Leitthemen Goethes in banalen, aber auch grotesken Dingen, wie zum Beispiel einem übergroßen Kopf der Göttin Juno, wieder. Die Führung endete schließlich in einem liebevoll angelegten Garten, in dem es neben den verschiedensten Blumensorten auch ein Gemüse- und Kräuterbeet gab.
Da dies erst einmal genügend Informationen für einen Tag waren, durften wir zurück in die Jugendherberge, welche als gar nicht so schillernd befunden wurde, um dort unsere Zimmer zu beziehen und zu Abend zu essen. Den Tag abrundend war jedoch noch der Besuch der Theateraufführung von Shakespeares ,,Ein Sommernachtstraum'' geplant. Die moderne und freizügige Interpretation der Komödie sorgte dabei durch ihre kontroversen Betrachtungsmöglichkeiten noch für viel Diskussionsstoff bei uns Schülerinnen, aber auch bei den Lehrerinnen. Am nächsten Tag wurde das Schillerhaus inspiziert, um die Unterschiede in den Denk- und Handlungsweisen der Schriftsteller zu veranschaulichen. Dabei stachen einem nicht nur die schrillen Tapeten ins Auge. Denn Goethe und Schiller waren Autoren, wie sie unterschiedlicher nicht hätten sein können. Während sich Goethe in sein spartanisch eingerichtetes Gartenhäuschen zurückzog und sich "in cognito" auf seine Italienreise begab, lehnte Schiller das Reisen prinzipiell ab und blieb in seinem großen Haus mit Garten, was in diesen Zeiten von erheblichem Wohlstand zeugte. Nach der Besichtigung hatten wir uns erst einmal eine Mittagspause verdient, in welcher für Verpflegung für die bevorstehende Heimfahrt gesorgt werden konnte. Vereinbarter Sammelplatz war dann das Goethe- und Schillerdenkmal, vor dem gleich Fotos als Andenken an die Studienfahrt gemacht wurden. Nachdem auch der letzte Schnappschuss im Kasten war, konnte das schöne Weimar verlassen werden. Doch bevor es ganz und gar nach Hause gehen sollte, stand ein letzter, historisch sehr ernster und für die Eine oder Andere doch auch mit Tränen verbundener Tagesordnungspunkt auf dem Programm: der Besuch der KZ-Gedenkstätte Buchenwald. Jenen Ort, an dem auch heute noch spürbar ist, welches Grauen sich dort zu Zeiten des Nationalsozialismus abgespielt hat, sollten wir nach einem 30-minütigen in die Thematik einführenden Film, der im hauseigenen Kinosaal präsentiert wurde, in Kleingruppen im Rahmen einer Führung kennen und begreifen lernen. Insbesondere die Besichtigung des Krematoriums, in welchem wir mit Bildern von Leichenbergen, detaillierten Informationen über das Töten mit einer Genickschussanlage und generell der Atmosphäre von Tod und Leid konfrontiert wurden, hinterließ ein tiefes Gefühl der Betroffenheit, das auch auf der Heimfahrt nach Bamberg bei einigen von uns Schülerinnen noch deutlich anhielt und zum Nachdenken anregte. Je lauter jedoch die Musik gedreht wurde, desto lockerer wurde wieder die Stimmung und so konnten auch diejenigen, die der Ausflug sehr mitgenommen hatte, wieder nach und nach zu ihrem Lächeln zurückfinden. Gegen Abend trafen wir dann erschöpft, aber um einige Erfahrungen reicher, in Bamberg ein, wo wir von unseren Liebsten in Empfang genommen wurden.

Anna-Lisa Löwer und Sofie Hildebrandt, Q11

Kirschsaft

Überlegungen zum Besuch der KZ-Gedenkstätte Buchenwald

Es wäre falsch, an dieser Stelle jetzt zu scherzen und ein Erlebnis inhaltlich sowie stilistisch auszuschmücken, das mit einem Ort verbunden ist, an dem der schönste Schmuck der Welt die traurige und hässliche Atmosphäre nicht überspielen könnte. Stattdessen will ich ganz offen sprechen, vom Innersten meiner Seele heraus und der Grausamkeit ins Auge blicken: Ein Konzentrationslager, das ist ein hässlicher Ort. Ein Ort, an dem Menschen sterben mussten. Unschuldige Menschen. Von uns Deutschen gedemütigt, gequält, gefoltert, ermordet. Ein Ort, der nicht hätte sein dürfen. Doch das Schlimmste ist: Es ist ein realer Ort.
Wie einen roten Fleck Kirschsaft auf einem weißen T-Shirt versuchen wir immer wieder, den blutroten Fleck, die NS-Zeit, aus der deutschen Geschichte zu beseitigen, ihn zu verstecken und unseres eigenen Gewissens wegen die unbefleckte Weste unseres Vaterlandes wiederherzustellen. Doch führt das krampfhafte Herumschrubben an einem mit Kirschsaft bekleckerten T-Shirt nicht meist genau zum Gegenteil? Führt es nicht dazu, dass sich der Fleck bald ausweitet, sich vergrößert? Auch der blutrote Fleck in der deutschen Geschichte lässt sich nicht bereinigen; auch hier führt das Wegdiskutieren, das Ungeschehen-machen-wollen keineswegs zu einem Verblassen der Tat aus der Realität. Die Gefahr für solch ein nächstes grausames Kapitel in der deutschen Geschichte wird dadurch nur noch schlimmer.
Deshalb scheut nicht die Konfrontation mit der dunklen Atmosphäre, scheut euch nicht, euch völlig zu öffnen und Emotionen zuzulassen. Es ist okay, Trauer zu zeigen. Es ist okay, zu weinen. Doch es ist nicht okay, wegzuschauen.
Der Opfer wegen - und der Zukunft wegen.

Anna-Lisa Löwer und Sofie Hildebrandt, Q11